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Zum Thema möchte ich hier einige Grundgedanken zitieren, die sich Miriam Wolf zur Ausbildung für den Einsatz als Hütehund gemacht hat:
Ein wichtiger Gedanke vorab: "Ein Border Collie (oder auch ein Australian Shepherd, o.a.) ist ein Hütehund und Hütehunde sollten hüten!"
So oder so ähnlich bekomme ich es immer wieder per Telefon oder Email von Border Collie Besitzern gesagt, die gerne zu mir zum Training kommen wollen... Auch von manchen Ausbildern hört man diese Äusserung immer wieder: "Ein Border Collie gehört ans Vieh!" Aber stimmt das? Gehört jeder Border Collie ans Vieh? Heißt das im Umkehrschluss, jeder Border Collie Besitzer ohne eigene Schafe sollte nun losziehen und seinem Hund eine Möglichkeit verschaffen, seine Triebe als Hütehund auszuleben? So dass man ihn sozusagen "artgerecht beschäftigt", wie es mir schon so oft gesagt wurde...?!
Meine Antwort: Ganz klar NEIN!
Warum? Weil man nicht vergessen darf, dass die Arbeit mit einem Hund an den Schafen "kein Spaß" ist, auch wenn sie zugegebener Maßen Spaß macht! Das Arbeiten mit einem Hund an Schafen, ohne dass dahinter eine Notwendigkeit steht (wie z.B. dass der Hund später tatsächlich für einen schonenden Umtrieb von Tieren eingesetzt werden soll), macht überhaupt keinen Sinn und ich lehne dies bei mir an meinen Schafen aus folgenden Gründen ab: 1. Es ist absolut nicht ausreichend für den Hund, 1 mal die Woche oder noch weniger an Schafen zu arbeiten. Wenn er es gewohnt ist, braucht er die Arbeit deutlich regelmäßiger und öfter. Im Idealfall täglich! 2. Kann es mal zu ungewollten Pausen wegen des Schafbesitzers selbst kommen (Krankheit der Schafe, evtl. Umzug weiter weg) -dann hat man plötzlich nicht mehr die Möglichkeit mit dem Hund zu trainieren. Muss es aber machen, da der Hund es ja nun gewohnt ist... Schon hat man ein ernsthaftes Problem! Einfach aufhören, wenn man selbst keine Lust mehr hat, oder weil eben die Möglichkeit plötzlich nicht mehr da ist, funktioniert für den trainierten/ausgebildeten Hund nicht! 3. Kommt man bei einem Training von max. 1 mal die Woche ab einem gewissen Ausbildungsstand nicht mehr voran und stagniert irgendwann völlig und Hund, sein Besitzer und der Trainer selbst werden zunehmend frustriert und anstatt Spaß und Erleichterung bringt das Training plötzlich Frust für den Hund! 4. Ist es tierschutzrechtlich nicht zu vertreten! Für die Schafe ist es nicht wirklich lustig, vor allem von Anfängerhunden gearbeitet zu werden. Junge Hunde sind sehr oft sehr ungestüm und es nimmt viele Wochen in Anspruch, das Temperament der jungen Hunde gut unter Kontrolle zu bringen. Es kommt schon mal vor, dass ein etwas zu enthusiastischer Hund auch schon mal ein Schaf beißt und/oder verletzt. Oder zumindest quer über die Wiese hetzt oder anrempelt. Diese Unannehmlichkeiten für die Schafe sind in meinen Augen nur mit dem Argument zu vertreten, dass die Ausbildung des Hundes am Ende dazu dient, dass er tatsächlich für die Arbeit am Vieh eingesetzt wird und dann wenn man so möchte "es wieder gut machen kann" indem er die Schafe nach seiner absolvierten Ausbildung schaffreundlich und artgerecht im Alltag begleitet (Umtrieb, Einpferchen für Klauenpflege, Schur, Entwurmung, usw.)... 5. Selbst wenn der Hund von Anfang an eher nett ist und nicht zu "Unhöflichkeiten" neigt, ist es für die Schafe alles andere als angenehm gearbeitet oder trainiert zu werden. Denn das Grundschema, auf dem das Hüten basiert ist und bleibt immer das Gleiche: Der Hund bleibt Beutejäger/ Wolf, die Schafe bleiben Beute/ Opfer! Schafe sind Fluchttiere und fühlen sich immer bedroht in Anwesenheit von Hunden (oder anderen Beutegreifern, wie Füchsen, Wieseln, usw.). Schafe bewegen sich von Natur aus freiwillig nur sehr wenig. Ihr Dasein ist eigentlich darin begründet, zu grasen, wieder zu käuen, zu ruhen/schlafen und sich fort zu pflanzen. Alles darüber hinaus ist "Mehrarbeit" und beansprucht das einzelne Tier zusätzlich und zudem unnötig...
Wie man sieht, muss man hier also sehr vorsichtig sein, dass die Schafe nicht zum Sportgerät für den Hund mutieren (was ganz sicher selten in der Absicht der Leute liegt, da hab ich keinen Zweifel!). Bei allem Verständnis für den Wunsch der Hundebesitzer Ihrem Border Collie als Hütehund gerecht zu werden, so müssen für mein Verständnis jedoch die Bedürfnisse der schwächeren Tierart, nämlich die der Schafe, ganz klar im Vordergrund stehen... Schafe haben es ebenso verdient "artgerecht" behandelt zu werden! Dies sollte bei dem Wunsch dem eigenen Hund "nur das Beste" zu wollen unbedingt berücksichtigt werden! [...]
Wo bleibt hier die Tierliebe, die hoffentlich über den eigenen geliebten Vierbeiner hinaus gehen sollte!?”
Wer mehr zur Ausbildung für den Einsatz als Hütehund lesen möchte, kann das hier auf der Homepage von Miriam tun!
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